Pilotprojekt – Familienzentriertes Case Management

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Forschung

FH Kärnten in Kooperation mit den Wiener Sozialdiensten

 

Das Pilotprojekt Familienzentriertes Case Management, welches in Kooperation mit den Wiener Sozialdiensten Alten- und Pflegediensten durchgeführt wird, geht nach einer gemeinsamen Abstimmung in die Verlängerung und endet voraussichtlich im Juni 2022.

Das Ziel dieses Pilotprojektes ist es, die Durchführung des 15-Minute-Family-Interviews im Rahmen des Calgary- Familienassessment- und Interventionsmodell in den täglichen Arbeitsprozess der Case Manager*innen der Wiener Sozialdienste zu implementieren. Damit sollte der durch Studienergebnisse aufgezeigte Mehrwert des 15-Minute-Family-Interviews bei der Durchführung durch die Case Manager*innen in der Arbeit mit den Klient*innen und deren Angehörigen analysiert und evaluiert werden. Die Gegebenheiten der Pandemie erforderten es, dass in den verschiedenen Phasen des Pilotprojekts, in der Erhebungsphase, der Schulungsphase, der Implementierungsphase sowie in der Evaluierungsphase immer wieder sehr flexibel reagiert und neugestaltet werden musste.  Am Beginn des Pilotprojekts wurde durch Fokusgruppeninterviews eine Analyse der Ist-Situation der Case Manager*innen durchgeführt. Die Schulungen, pandemiebedingt zum großen Anteil online abgehalten, und die Implementierungsphase waren beeinflusst von Verordnungen in Lock Downs und damit immer wieder sehr herausfordernden Arbeitsbedingungen der Case Manager*innen.

Zwischenerhebungen

Zwischenerhebungen im Mai 2021 zeigten jedoch, dass trotz der erschwerten Bedingungen durchaus positive Ergebnisse erreicht werden konnten. Ein Mehrwert im beruflichen Alltag konnten in der verbesserten Kommunikation und einer verbesserten Zusammenarbeit wahrgenommen. „Ich bin mir bewusster, dass die Familie in die Situation des Klienten stark eingebunden ist. Wertschätzung der konkreten Leistungen der Familie, tun dieser sehr gut. Das macht auch bereits eine positive Stimmung und etwas Vertrauen, das Geno/Ökogramm zu erstellen ist dann leichter und Konfliktgespräche auch“

Konfliktsituationen

Im Umgang mit sogenannten „schwierigen“ Angehörigen, in Konfliktsituationen konnte eine Veränderung im Verstehen von Verhaltensweisen wahrgenommen werden. […] da wir uns nicht emotional verstricken bzw. uns selbst in dieser Situation gut beobachten und wahrnehmen. […] kann ich bewusster Beobachterin der Situation bleiben und die Situation „objektiver“ betrachten. […] ich versuche nicht nur das eigentliche Problem zu lösen, sondern versuche den Angehörigen zu verstehen und überlege mir ev schon eine Theorie, was der Angehörige (z.B Lob, Sicherheit) benötigt“.  

Gesprächsführung

Auch eine strukturiertere Vorgehensweise bei der Gesprächsführung und eine verstärkte Selbstreflexion wurde thematisiert. Im Umgang mit Emotionen zeigte sich ein Mehrwert durch eine verstärkte Abgrenzung sowie eine entsprechende professionelle, neutrale Haltung. Besonders in emotionalen, konfliktgeladenen Situationen wurde diese neutrale professionelle Haltung durch zunehmende Erfahrung, vermehrte Reflexion und Abgrenzung und durch eine strukturiertere Vorgehensweise bei der Durchführung beschrieben. […] zu wissen, dass das mein Job ist und es dazu gehört neutral zu sein und möglichst unvoreingenommen an die Dinge heranzugehen […] […] durch sachliche Analyse der Probleme und gemeinsamer Problemlösungssuche, durch klare und ehrliche Darstellung der möglichen Leistungen und Hilfestellungen […]

Rollenverständnis

Die Analyse des Rollenverständnisses im Case Management zeigte, dass ein zunehmendes familiensystemisches Verständnis wahrgenommen wurde. „Ja, ich denke mehr an Angehörige und an deren Bedürfnisse, […] wie sie den Pflegeprozess beeinflussen.“[…] . Auch Stressreduktion und eine Veränderung in der Wahrnehmung der Zusammenarbeit wurde beschrieben. […] durch die Zusammenarbeit mit Bekannten/Freunden/Angehörigen bekomme ich den Eindruck, dass die Klientinnen besser versorgt sind […].
Im Umgang mit den Kolleg*innen konnte ein besseres Verständnis in Bezug auf das Verhalten der Angehörigen in der Zusammenarbeit mit Pflegefachassistentinnen und -Pflegeassistenten angegeben werden. „Die Kolleginnen konnten besser aufgeklärt werden, warum immer wieder Konflikte bei der Betreuung entstehen“.

Geno/Ökogramm

Der Mehrwert der Erstellung eines Geno/Ökogramms, ein Grundelement des 15 Minute Family Interviews, zeigte sich in einem besseren Gesamtüberblick über die Familiensituation, in der schnellen Generierung von relevanten Informationen, der umfassendem Erfassung der Ressourcen und Belastungen sowie der Möglichkeit der verbesserten interdisziplinären Zusammenarbeit. Auch die dadurch erhaltene Information über die Organisation im Familiensystem wurde wertgeschätzt […] „für das CM bedeutet dies – viel weniger Anrufe, falls es zu irgendwelchen Fragen kommt.“ Ich kann an etwas anknüpfen und mir „Pluspunkte“ verschaffen, wenn ich schon weiß, wer z.b die Med besorgt und ich nicht alles erfragen muss“.