Unter ihnen war FH-Professor Helmut Spitzer vom Studiengang Soziale Arbeit, der schon seit 30 Jahren in Ostafrika forscht und kooperative Projekte umsetzt. Sein Vortrag hatte den Titel „Soziale Arbeit und politische Gewalt“ und stieß auf reges Interesse.
Spitzer nutzte auch die Gelegenheit, um sich mit Vertretern des Berufsverbandes Sozialer Arbeit aus der Demokratischen Republik Kongo zu treffen. Der Berufsverband wurde 2018 unter den schwierigen Bedingungen einer humanitären Krise mit Unterstützung der FH Kärnten ins Leben gerufen.
Über den Kärntner entwicklungspolitischen Verein AfriCarinthia, in dem Spitzer ehrenamtlich mitarbeitet, werden seit einigen Jahren Sozialprojekte im Ost-Kongo umgesetzt. Dabei geht es in erster Linie um Empowerment von Frauen. In der an seltenen Erden und anderen Rohstoffen reichen Region tobt seit Jahren ein bewaffneter Konflikt, hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Zuletzt kam es auch zu einem neuerlichen Ausbruch des Ebola-Virus.
Während auf der Konferenz theoretisch diskutiert wurde, suchte Spitzer auch den Weg in die Praxis jenseits der modernen Innenstadt Nairobis. Er besuchte Kibera, den größten Slum Afrikas. Dort leben auf vier Quadratkilometer eine Million Menschen! Die Wohnverhältnisse sind extrem beengt, die hygienischen Zustände katastrophal, das Alltagsleben ist von Armut geprägt. Dabei müssen die Slum-Bewohner*innen für die winzigen, oft fensterlosen Lehmhütten horrende Mietpreise bezahlen. Selbst die wenigen öffentlichen WCs sind in Privatbesitz, auch für den Gang aufs Klo wird abkassiert. Dazu Spitzer: „Der Slum ist die pervertierte Manifestation sozialer Ungerechtigkeit und eines aus dem Ruder gelaufenen kapitalistischen Systems.“
Soziale Arbeit hat den Auftrag, sich genau um solche Zielgruppen zu kümmern und gleichzeitig an den gesellschaftlichen Strukturen zu rütteln, die Armut, soziale Ausgrenzung und Menschenrechtsverletzungen verursachen. Dies war auch der Tenor bei der Konferenz.
In Europa wird Afrika zumeist stereotyp und negativ dargestellt. Einiges davon stimmt, das meiste nicht. Was in erster Linie stimmt, ist die Tatsache, dass die Menschen ihren Alltag mit Improvisation, Überlebenskunst und großer Widerstandskraft bewältigen. Das gilt für die Krisenregion Ost-Kongo genauso wie für das Leben im Slum. Die allermeisten Menschen wollen ihre Heimat auch gar nicht verlassen – nur ein kleiner Bruchteil tritt die gefährliche Reise nach Europa an.
Spitzers Fazit nach seiner Rückkehr aus Kenia: Während in Österreich auf hohem Niveau gejammert wird, verlieren die Menschen in Afrika trotz allem ihren Humor nicht.

