Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit – Reinhard Reich an der FH Kärnten

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Reinhard Reich, Geschäftsführer der Sozialen Betriebe Kärnten, gab Einblicke in Auftrag und Aufgabenfelder des Sozialunternehmens sbk und stellte sich der Diskussion mit dem Publikum.
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Dem Publikum wurde ein exzellenter Einblick in den Arbeitsalltag der Sozialen Betriebe geboten.
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Gesundheit & Soziales

Reinhard Reich, Geschäftsführer der Sozialen Betriebe Kärnten, war am Campus Feldkirchen der Fachhochschule Kärnten. Nach einem instruktiven Einblick in Auftrag und Aufgabenfeld des Sozialunternehmens sbk stellte er sich den Fragen des Publikums. Auch heuer stieß das Praxisgespräch auf starke Resonanz bei Studierenden wie Gasthörerinnen.

 

Die sbk sind durch Fusion von vier kleinen Beschäftigungsträgern in Kärnten entstanden. Der sozial-ökonomischen Betrieb bietet langzeiterwerbslosen Personen ein befristetes Arbeitsverhältnis mit dem Ziel, sie auf einen Übergang in den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die sbk agieren als Qualifizierungs- und Trainings-Plattform in vier Bereichen: Bau, Textil, Tischlerei und Sport. Schlüsselkräfte leiten die Transitmitarbeiter_innen im Arbeitsalltag an, während Personalentwickler_innen parallel beratend und aktivierend wirken, um die persönlich-soziale Stabilisierung und berufliche Weiterentwicklung mit dem Ziel Jobsuche zu forcieren. Der Zielgruppe der SBK sind langzeitarbeitslose, schwervermittelbare Personen, die vom Arbeitsmarktservice zugewiesen werden. Das AMS erwartet als strikte Ergebnismarge eine 30%ige Vermittlungsquote; dabei muss der laufende Betrieb zu 40% aus Eigenerwirtschaftung finanziert werden – eine doppelte Zielstellung, die in der Praxis nicht eben leicht erreichbar ist: Wenn gute Leute oft schon in den ersten Wochen der maximal 28 Wochen dauernden Maßnahme den Absprung in den Markt schaffen, fehlen sie andererseits als leistungsstarke Kräfte für Auftragsarbeiten im Betrieb; diesen Spagat haben die sbk wie alle sozial-ökonomischen Betriebe zu meistern, wie Reich dem interessierten Publikum vor Augen führte.

Dann stellte sich der Geschäftsführer der Diskussion mit dem Publikum. Themen waren die Ausbildung und die Aufgaben der Schlüsselkräfte. Hier entflammte eine kontroverse Diskussion, ob Sozialarbeiter_innen sich für die Position von Personalentwickler_innen eignen. Gefragt wurde zudem, was passieren würde, wenn die Eigenerwirtschaftungsquote nicht erreicht wird und ob das AMS Alternativen zu den sbk hätten. Reich machte deutlich, dass die mit dem AMS getroffenen Vereinbarungen gelten und ggf. erzielte Überschüsse abzuführen sind.

Eine weitere Frage zielte auf das Wirtschaftskonzept: Wie kommen die sbk an Aufträge, weshalb entscheiden sich Kunden für die sbk, wenn doch marktübliche Preise verrechnet werden und sich somit kein finanzieller Vorteil ergibt, gleichwohl aber Termin- und Lieferschwankungen nicht auszuschließen sind. Reich erklärte, dass Werbung wegen der Konkurrenzwirkung gegen Marktbetriebe kaum möglich sei, viele Aufträge jedoch von zufriedenen Stammkunden kämen, bei denen der soziale Gedanke eine große Rolle spielt.

In der offenen Diskussionsrunde wurden Konzept und Rahmenbedingungen von den Hörern kritisch hinterfragt. Der herrschende Zeitdruck, Sinn der Erhebung empirischer Erfolgszahlen, mögliche Erfolge, die Grenzen des eigenen Settings und die Überlegung zur Einführung eines drittes Arbeitsmarktes, das Anforderungsprofil für Sozialarbeiter sowie die Aktualität der erworbenen Kenntnisse der Arbeitslosen in diesem Betrieb und deren Stellenwert auf dem Weg in die Industrie 4.0 – dies waren nur einige der vielen Aspekte, die von den Teilnehmern aufgegriffen und gemeinsam mit Prof. Arnold und Herrn Reich kritisch und realistisch diskutiert wurden. Diese authentische und praxisnahe Erfahrung, die dem Publikum durch Herrn Reich geboten wurde, hat die Vorstellung von zukünftigen Praxisfeldern bildhaft werden lassen.

"Soziale Arbeit im Gespräch" - Wege aus der Arbeitslosigkeit