Interkulturalität und Transkulturalität in der Praxis erleben

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Gesundheit & Soziales

Die Studierenden des sechsten Semesters des Studiengangs Disability & Diversity Studies setzten sich in diesem Semester intensiv mit den Themen Interkulturalität und Transkulturalität auseinander. Im Rahmen von vier Exkursionen am 15. und 17. Mai 2017 erfuhren sie, wie diese Themen in der Praxis gelebt werden können.

 

Das Lebensumfeld der Menschen ist mittlerweile global geworden. Kommunikationswege, wirtschaftliche Austauschbeziehungen, Studien- und Arbeitsplatzwahl, Urlaubsreisen und nicht zuletzt Migrationsprozesse finden weltumspannend statt. Während für Expatriates Wissen zu interkultureller Kommunikation und zum neuen (vorübergehenden) Aufenthaltsland eine wichtige Rolle spielen, bedeutet Interkulturalität zu leben für eine multinationale Gesellschaft wie Österreich einen ganz anderen Lernprozess. Diesen Prozessen auch in der Lebensrealität von Schule, Krankenhaus, international tätigem Unternehmen und Stadtverwaltung in Kärnten nachzuspüren und mit der Theorie in Verbindung zu setzen, war Gegenstand von insgesamt vier Exkursionen, die die Studierenden in der Lehrveranstaltung „Inter- und transkulturelles Disability & Diversity Studies“ mit Lehrveranstaltungsleiterin Mag.a (FH) Marika Gruber gemacht haben. Anhand von vier großen Themengebieten näherten sich die Studierenden den komplexen Themen Interkulturalität und Transkulturalität und arbeiteten deren Bedeutung für das jeweilige Handlungsfeld heraus:

  • Inter-/Transkulturalität und Arbeit/im Berufsleben
  • Inter-/Transkulturelle Bildung
  • Inter-/Transkulturalität im Gesundheitswesen
  • Inter-/Transkulturalität in der öffentlichen Verwaltung

Nach einer intensiven theoretischen Auseinandersetzung mit facheinschlägiger wissenschaftlicher und praxisorientierter Literatur kamen im Rahmen der Exkursionen die handelnden AkteurInnen in der Praxis zur Sprache. Wie funktionieren Inter- und Transkulturalität in einer kulturell, religiös und ethnisch heterogen durchmischten Volksschule? Welche Herausforderungen und Handlungsansätze erlebt in diesem Zusammenhang ein Krankenhaus und welche Bedeutung haben Vielfalt und Internationalität für eine Stadt? Als Exkursionspartner konnten dafür Organisationen gewonnen werden, die bereits jahrelange Erfahrung im Umgang mit diesen Themen haben.

 

Inter-/Transkulturalität und Arbeit/im Berufsleben

Zum Thema Inter-/Transkulturalität im Arbeitsumfeld/Berufsleben besuchten die Studierenden den auch in Villach ansässigen Weltkonzern Infineon Technologies Austria AG. Diversity Managerin Sigrun Alten berichtete über die Initiativen des Unternehmens insbesondere zur Erhöhung  der Frauenquote in der Technik, über familienfreundliche Maßnahmen und generationenübergreifendes Lernen. Infineon war auch eines der Gründungsunternehmen des CIC – Carinthian International Club, der von Mag.a Rosalia Kopeinig als Geschäftsführerin geleitet wird. Sie berichtete den Studierenden, was es bedeutet, zugewanderte Arbeitskraft und Familienangehörige/r in Kärnten zu sein und mit welchen Angeboten der CIC beim Leben und Arbeiten in Kärnten unterstützt. Ein internationales Unternehmen wie Infineon unterstützt seine MitarbeiterInnen aber auch durch das Angebot einer internationalen Kinderbetreuung und Schulausbildung. Sophie Nelhiebel, Geschäftsführerin des International Daycare Center, das Kinder im Alter von 1-6 Jahre betreut, erzählte, wie die als Erziehungs- und Betreuungsschwerpunkt  definierte Multikulturalität und Mehrsprachigkeit  gelebt wird.

Inter-/Transkulturelle Bildung

Von einer anderen Dimension der Multikulturalität berichteten die Direktorin OSR Ilse Fina sowie Lehrerinnen und SchülerInnen der Volksschule 11 – St. Ruprecht (Friedensschule) in Klagenfurt. Seit rund 25 Jahren wird in dieser Volksschule interkulturelles und interreligiöses Lernen praktiziert. – Nicht, weil Internationalität gerade „schick“ ist und für die weiteren Berufsperspektiven förderlich sein kann, sondern aus einer Notwendigkeit und Lebensrealität des Stadtteiles heraus. Internationalität drückt sich an der Schule u.a. anhand folgender Dimensionen aus: rund 140 von 160 SchülerInnen haben einen so genannten Migrationshintergrund, ca. 40 verschiedene Muttersprachen werden von den SchülerInnen gesprochen und 14 verschiedene Religionsbekenntnisse werden in den Unterricht einbezogen. Auf vielfältige Weise konnten die Studierenden vor Ort miterleben, wie der interkulturelle Schulalltag gelebt wird: anhand einer Sing- und Tanzaufführung der SchülerInnen im Rahmen des Faches „Musik und Sprache“ oder der Teilnahme am Unterricht in verschiedenen Klassen und am Deutsch als Zweitsprachenunterricht, in dem insbesondere neuzugewanderte Kinder mit Fluchthintergrund und oftmals mit Traumatisierung, fit für den Regelunterricht gemacht werden.   Erzählungen der SchülerInnen und Erfahrungsberichte der Pädagoginnen rundeten den interessanten Exkursionsvormittag ab.

 

Inter-/Transkulturalität im Gesundheitswesen

Internationalität spielt aber auch zunehmend im Gesundheits- und Pflegebereich eine wichtige Rolle. Die stellvertretende und für Organisationsentwicklung/Personalentwicklung zuständige Pflegedirektorin Osr. Mag.a Karin Kersche, MA sowie die leitende Hebamme und Abteilungsleiterin für Pflege Mag.a Beate Lamprecht, IBCLC, Akad. GPM vom Klinikum Klagenfurt am Wörthersee erzählten, welche unterschiedlichen Berufs- und Herkunftskulturen im Krankenhaus zusammentreffen, welche Abteilungen von der fluchtbedingten Zuwanderung der letzten Jahre besonders gefordert wurden und welche Aktivitäten bereits zu den Regelmaßnahmen gehören, um mit Internationalität und Interkulturalität in einem hochsensiblen Feld wie einem Krankenhaus gut umgehen zu können. Dazu zählen beispielsweise die Berücksichtigung verschiedener Ernährungsgewohnheiten, wie auch „koschere“ Nahrungszubereitung, oder der Einsatz von Video-Dolmetsch.

 

Inter-/Transkulturalität in der öffentlichen Verwaltung

Gemeinden sind als Anbieter und Dienstleister für die meisten Versorgungsangebote die Ebene im föderalistischen System, die am unmittelbarsten von den Auswirkungen internationaler Zuwanderung betroffen sind (Fragen der Unterbringung, der Beschäftigung oder des Schulbesuches werden relevant). Welche Rolle Zuwanderung, Internationalität und ein gutes, transkulturelles Zusammenleben für Gemeinden spielt, darüber berichteten im Rahmen der Exkursion in das Rathaus der Stadtverwaltung Villach die für Integration zuständige Beauftragte Marie-Theres Grillitsch, MA und die frühere Integrations-Gemeinderätin Anica Lassnig bzw. aktuelle Gemeinderätin für Integration, Deshire Shehu, der Stadt Knittelfeld. In einem intensiven interkommunalen Austausch erzählten die engagierten Damen, welche Strategien Villach und Knittelfeld entwickelt und welche Integrationsmaßnahmen in den Städten implementiert wurden. Während die Stadt Villach bereits seit dem Jahr 2012 ein eigenes Integrationsleitbild hat und von städtischer Seiten Deutschkurse und andere Integrationsangebote anbietet, arbeitete Knittelfeld schon früh mit spezialisierten Institutionen zusammen und ist bekannt für ihre vielfältigen Angebote zum dem Gesundheitsförderung, die  mit den verschiedenen MigrantInnen-Communities gemeinsam umgesetzt werden.

Die Exkursionen boten spannende Einblicke in die Praxis und zeigten den Studierenden zudem weitere Karrieremöglichkeiten nach ihrem Studium auf.

 

Reflexion Studierende

An dieser Stelle bedanken sich die Studentinnen und Studenten des 6. Semesters des Studienganges DDS bei Mag.a (FH) Marika Gruber für die perfekte Organisation der eindrucksvollen Exkursionen. Wir haben dadurch nicht nur einen Einblick von Interkulturalität und Transkulturalität in der Praxis bekommen, sondern wir haben vorbildhafte Beispiele gesehen, wie Multikulturalität gelebt und nicht weiter als Differenz erlebt wird. Alle vier Organisationen/Betriebe haben auf ihre Herausforderungen reagiert und  entsprechende Konzepte entwickelt und diese auch erfolgreich umgesetzt. Besonders beeindruckend für uns war die Inter-/transkulturelle Bildung in der Volksschule 11 in St. Ruprecht. Das Engagement der Direktorin OSR Ilse Fina und des gesamten Team von  Lehrer, Lehrerinnen und Sonderpädagogen zeigt, dass die Kinder in den Mittelpunkt stehen, dass individuell auf die Kinder eingegangen und darauf geachtet wird, dass die Kinder neben „schulischer“ Bildung auch soziale Bildung  erfahren und Verantwortungsbewusstsein und Werte vermittelt bekommen.

Erstaunt waren wir darüber, dass Villach als einzige Stadt Kärntens, ein Integrationsleitbild und eine Integrationsbeauftragte installiert hat und hier gezielte Aktivitäten setzt. In anderen Gemeinden wie z.B. Knittelfeld haben uns die beiden Referentinnen mitgeteilt, passiert vieles in Richtung Integration, doch ausschließlich auf freiwilliger Basis. Ein konkretes Konzept, das auch von öffentlicher Hand finanziert wird, gibt es nicht.

Großen Eindruck haben auch die inter- und transkulturellen Maßnahmen im Klinikum Klagenfurt hinterlassen, da diese gerade im Gesundheitssektor eine wichtige Rolle spielen.

Wie wirtschaftliche Betriebe die Herausforderungen meistern, konnten wir anhand von Beispielen bei der Infineon Technologies Austria AG erfahren.

Die Exkursionen haben gezeigt, dass es für DDS-Absolventen in allen Bereichen, ob Bildung, Verwaltung, Wirtschaft oder Gesundheitswesen  Handlungsfelder geboten werden.