Gedanken zum Tag der Pflege

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Gesundheit & Soziales
Gesundheits- und Krankenpflege

Es stimmt mich wirklich traurig, aber es ist leider so… noch immer höre ich folgende Fragen von Kolleg*innen in der Praxis:

Wozu müssen die jungen Leute, die in die Pflege wollen, jetzt studieren? Die Antwort ist ganz einfach: Die Zeiten haben sich geändert!

Die Ausbildungszeiten und Berufsbezeichnungen haben sich in der Geschichte der Pflege schon oft geändert, je nachdem, was gerade Wissenstand war und welche Notwendigkeiten und Bedürfnisse man in der pflegerischen Versorgung der Kranken bzw. der Menschheit sah.

Es macht mich stolz, dass wir Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren und diesen oftmals sogar als Traumberuf bezeichnen, nun österreichweit in allen Bundesländern ein generalistisches Bachelorstudium an den Fachhochschulen und die Ausbildungen zur Pflegefach- und Pflegeassistenz an den Schulen anbieten können. Bei Berufskolleg*innen wird das noch immer angezweifelt?!

Für Angehörige des Pflegeberufes ist es wichtig, Veränderungen die sich rundherum auftun nicht zu ignornieren, sondern mitzuleben, mitzutragen, mitzugestalten, mitzulernen.  Es ist von Nöten, sich wieder auf den pflegerisch- ethischen Grundgedanken der bestmöglichen Hilfe von bedürftigen Menschen zu konzentrieren. Wer stehen bleibt, steht jenen Kolleg*innen im Weg, die voller Motivation und Engagement, voller Tatendrang und Visionen im Pflegeberuf arbeiten und jenen die neu einsteigen. Ja, die nachkommende Generation der Jugendlichen in der Pflege denkt anders und ist anders sozialisiert, auch das hat sich geändert….

Gerade in der Corona Krise wird uns deutlich, wie sehr sich überhaupt alles geändert hat: eine gute Pflege und Gesundheitsversorgung hat viel mit Patientenmanagement und Wirtschaftlichkeit zu tun, die optimale Patientenversorgung braucht ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Team, Multimorbidität und Überalterung der Gesellschaft sind eine zunehmende Herausforderung für die Pflege, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Optimierungskonzepte müssen in den Pflegealltag eingebunden werden, die Patientenzufriedenheit und ein gutes Outcome sind t zu guter Letzt das Maß aller Dinge… 

Die Ausbildung der diplomierten Pflegekräfte im tertiären Bereich Fachhochschule versucht den hohen Anforderungen des Berufsbildes  „im gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege“ gerecht zu werden. Schon alleine der Zugang mit Matura, besser gesagt „Reifeprüfung“, setzt hier ein wesentliches Zeichen. Reif zu sein, für die Strapazen des Studiums (ob wohl lt. Aussagen der Studis die gesamte  Matura nur soviel Stoff wie bei den jeweiligen Einzelprüfungen, z. B. Pharmakologie war…) Reif zu sein,  für ethische Diskussionen und kritische wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Themen, die den Pflegeberuf ausmachen (Verantwortung über den gesamten Pflegeprozess, Anleitung der Auszubildenden, evidenzbasiertes Fachwissen von der Kinderkrankenpflege bis hin zur Palliativ Care, von Psychiatrie zur Geriatrie, usw…)

Mit dem Angebot des Bachelorstudiums Gesundheits- und Krankenpflege ergibt sich für die Studierenden ein berufspolitisch wichtiger Vorteil, indem diese Absolvent*innen einen All Inclusive Abschluss zu bekommen (Berufsberechtigung DGKP und akademischer Titel BSc. sowie Befähigung für weiterführende Studien im Gesundheits- und Pflegebereich). Dafür müssen sie aber auch deutlich mehr Theorieinhalte aus Pflegewissenschaft und Forschung im Vergleich zur bisherigen Krankenpflegeschule erlernen.  Das Studium ist inhaltlich sehr anspruchsvoll und die Eigenleistungen für Lernpakte im Selbststudium sind hoch, ECTS Punkte sind der Lohn dafür.  Die Ausbildungszeit blieb mit 3 Jahren auch trotz Akademisierung leider gleich (die Hälfte davon in Berufspraktika). Nur ein Beispiel: Für Pathologie waren in der Krankenpflegeschule 120 Stunden Unterricht und 2-3 Teilprüfungen vorgesehen, im Studium sind es 37,5 Stunden Vorlesung in der Großgruppe (Vertiefung im Selbststudium 1 dickes Buch) und 1 großer Abschlusstest über den gesamten Lernstoff am PC, Dauer 1,5 Stunden. Ich bin schon recht stolz, was die Studierenden hier bewältigen. Einen wesentlichen Beitrag leisten dabei die Hochschullehrenden, die großartige Leistungen in der Präsenz-,  wie auch jetzt in Corona Zeiten in der Online Lehre, bringen.

Die Bundesregierung hat vor ein paar Jahren also die Notwendigkeit gesehen, die Ausbildung neu zu adaptieren, Kompetenzen und die Verantwortung des Pflegeberufs zu erweitern, Karrierechancen für Pflegepersonen zu stärken und nicht zuletzt die Pflegequalität zu verbessern.

…und das ist gut so, sagen die Studierenden. Sie müssen sich später nicht Upgrades und Kurse zusammenstoppeln, um sich beruflich weiterentwickeln zu können. Die generalistische Ausbildung bringt hier kosten- und zeittechnisch einen großen Vorteil, obwohl diese meiner Meinung nach 4 Jahre dauern sollte, um auch eine pädiatrische und psychiatrische Vertiefung in der speziellen Pflege zu ermöglichen. Die Studiengänge laufen mittlerweile in ganz Österreich erfolgreich. Absolvent*innen arbeiten nach dem Abschluss fast ausschließlich in der direkten Pflege mit Patient*innen, Bewohner*innen und Klient*innen.

Es gibt also trotz Studium – oder vielleicht gerade deswegen? -  genug Nachkommen in der Pflege und ich bin überzeugt- Sie werden eine gute Arbeit in der Gesundheits- und Krankenpflege leisten!

Anita Mitterdorfer,
Studiengangsleitung Gesundheits- und Krankenpflege
 

Kontakt

FH Kärnten
Studiengang Gesundheits-und Krankenpflege

www.fh-kaernten.at/guk
+43 5 90500 3401
guk@fh-kaernten.at