Selbstbestimmt Leben im inklusiven Gemeinwesen (SE)

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LehrveranstaltungsleiterIn:

FH-Prof.in Mag.a Dr.in habil.

 Susanne Dungs

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LV-NummerB3.07290.02.040
LV-KürzelSelbstLe
Studienplan2018
Studiengangssemester 2. Semester
LehrveranstaltungsmodusPräsenzveranstaltung
Semesterwochenstunden / SWS2,0
ECTS Credits2,0
Unterrichtssprache Deutsch

Die Studierenden
* setzen sich mit traditionellen institutionalisierten Betreuungs- und Unterstützungsformen konstruktiv-kritisch auseinander, können Alternativen erschließen, wissen frühere Formen aber auch zu würdigen. 
* wissen über die Bedeutung von Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung Betroffener Bescheid und verfügen über Kenntnisse, wie deren Realisierung unterstützt werden kann bzw. welche gesellschaftlichen Bedingungen diese durchkreuzen.
* haben breite Kenntnisse über die Vielfalt an gemeindenahen Unterstützungsdiensten, Formen Persönlicher Assistenz, Begleitung durch Selbstbetroffene erworben.
* haben sich ein fundiertes Wissen darüber angeeignet, wie gemeindenahe Angebote gestaltet werden sollten, damit sie von Betroffenen mit unterschiedlichen Einschränkungen auch genutzt werden können. 
* können ausführen, inwiefern es sich bei De-Institutionalisierung um einen weitreichenden sozialpolitischen Veränderungsprozess handelt, im Zuge dessen sowohl die professionelle Orientierung an der einzelnen Person als auch die strukturelle Umgestaltung zu einer inklusiven Gesellschaft eine Rolle spielen (Systemveränderung).

Bisherige Lehrveranstaltungen laut Studienplan

In Anknüpfung an die Lehrveranstaltung "Repräsentationen von Behinderung im kritischen Diskurs" steht in dieser LV die Frage im Mittelpunkt, wie Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen in einem inklusiven Gemeinwesen möglich wird. In der Vergangenheit haben sie kaum darüber mitbestimmen können, in welcher Wohnform sie leben möchten. Zumeist lebten sie separiert, in von Zentren weit abgelegenen Großeinrichtungen, hatten keine Kontrolle über ihre Lebensführung und mussten sich der Tagesstruktur von Einrichtungen anpassen. Menschen mit Migrationshintergrund werden aktuell in Asylant*innen-Unterkünften einer vergleichbaren Internierung und Separierung unterzogen.

In dieser Lehrveranstaltung wird daher der Gedanke der De-Institutionalisierung anhand von Beispielen klassischer Institutionalisierung und gelungener De-Institutionalisierung veranschaulicht, bis hin zu Community-Care-Modellen im internationalen Vergleich (England, Norwegen, Schweden etc.). Prozesse der Unterwerfung unter Funktionslogiken von Einrichtungen ("totale Institution" von Erving Goffman) und deren Folgen für Betroffene werden sichtbar. 

Assistenzmodelle, Wohnformen, Unterstützungsdienste und Förderkonzepte werden vorgestellt, die den Grundgedanken Autonomie und Entscheidungsfreiheit, Empowerment und Selbstbetroffenkontrolliertheit verpflichtet sind.

Albrecht-Bindseil, N. (2018): Inklusive Lebenswelten. Entwicklung und Evaluation von sozialräumlich orientierten Wohnprojekten. Stuttgart.

Aselmeier, L. (2008): Community Care und Menschen mit geistiger Behinderung. Gemeinwesenorientierte Unterstützung in England, Schweden und Deutschland. Wiesbaden.

Beck, Chr.; van Rießen, A.; Knopp, R. (2018): Alter und Pflege im Sozialraum. Theoretische Erwartungen und empirische Bewertungen. Wiesbaden.

Beck, I. (Hg.) (2016): Inklusion im Gemeinwesen. Stuttgart.

Brachmann, A. (2011): Re-Institutionalisierung statt De-Institutionalisierung in der Behindertenhilfe. Neubestimmung der Funktion von Wohneinrichtungen für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung. Wiesbaden.

Degener, Th.; Diehl, E. (Hg.) (2015): Handbuch Behindertenrechtskonvention. Teilhabe als Menschenrecht - Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Deutsches Institut für Menschenrechte (2016): Wohnen und Leben in der Gemeinschaft. Ein unerfüllter Auftrag der UN-Behindertenrechtskonvention in Berlin? Monitoring Stelle UN-Behindertenrechtskonvention. Berlin.

Franz, D. (2014): Anforderungen an Mitarbeiter*innen in wohnbezogenen Diensten der Behindertenhilfe. Veränderungen des professionellen Handelns im Wandel von der institutionellen zur personalen Orientierung. Marburg.

Gronemeyer, R.; Jurk, Ch. (2017): Entprofessionalisieren wir uns! Ein kritisches Wörterbuch über die Sprache in Pflege und Sozialer Arbeit. Bielefeld.

International Disability Alliance (2016): IDA submission on the right to live independently and be included in the community. Submission to the Day of General Discussion on Article 19 CRPD. 19.04.2016. Genf: International Disability Alliance. URL: http://www.ohchr.org/EN/HRBodies/CRPD/Pages/CallDGDtoliveindependently.aspx. (Abruf: 03.03.2018).

Kempin, D. (2012): Leben ohne Barrieren: Welcher Handlungsbedarf besteht für die kommunale Politik und Verwaltung. Hamburg

Konrad, M.; Rosemann, M. (2017): Betreutes Wohnen: Mobile Unterstützung zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Köln.

Mansell, J. et al. (2007): Deinstitutionalisation and Community living - Outcomes and Costs: Report of a European Study. Canterbury.

Metzler, H.; Pracht, A. (2016): BeB - Evaluationsprojekt Umwandlung von Groß- und Komplexeinrichtungen in differenzierte gemeindenahe Wohnangebote im Rahmen des UGK-Programms der Aktion Mensch. Berlin.

Schablon, K. (2009): Community Care. Professionell unterstützte Gemeinweseneinbindung erwachsener geistig behinderter Menschen. Analyse, Definition und theoretische Verortung struktureller und handlungsbezogener Determinanten. Marburg.

Schmuhl, H.-W.; Winkler, U. (Hrsg.) (2013): Welt in der Welt: Heime für Menschen mit geistiger Behinderung in der Perspektive der Disability History. Stuttgart.

Schumacher, B. (2017): Inklusion für Menschen mit Demenz. Exklusionsrisiken und Teilhabechancen. Wiesbaden.

Stockner, H. (2011): Persönliche Assistenz als Ausweg aus der institutionellen Segregation von Menschen mit Behinderungen. Bericht für Selbstbestimmt Leben Österreich zur Situation der Persönlichen Assistenz in Österreich. Endfassung. Innsbruck. Online unter URL: http://bidok.uibk.ac.at/library/stockner-assistenz.html. 20.03.2018.

Trescher, H. (2017): Behinderung als Praxis. Biographische Zugänge zu Lebensentwürfen von Menschen mit geistiger Behinderung. Bielefeld.

Vernaldi, M. (2015): Durch persönliche Assistenz zu einem selbstbestimmten Leben. Ein Erfahrungsbericht. In: Degener, Th. ; Diehl, E. (Hrsg.): Handbuch Behindertenrechtskonvention. Teilhabe als Menschenrecht - Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 241-247.

Waldschmidt, A. (2011): Selbstbestimmung als Konstruktion. Alltagstheorien behinderter Frauen und Männer. Wiesbaden.

Wansing, G.; Windisch, M. (2017): Selbstbestimmte Lebensführung und Teilhabe. Behinderung und Unterstützung im Gemeinwesen. Stuttgart.

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