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Peter Nigst | Ausstellung, Buch und Vernissage

Am Dienstag, den 24. Oktober fand abends an der Fachhochschule Kärnten in Spittal die Ausstellungseröffnung und Buchvorstellung von Peter Nigst „ANNÄHERUNG AN DAS MÖGLICHE – Arbeiten und Lehre“ statt. Zu diesem Anlass und als Würdigung seiner Arbeiten haben sich an die 150 Gäste in der Aula des Spittls versammelt.

Der Studienbereichsleiter Bauingenieurwesen & Architektur hielt eine emotionelle Begrüßung, gefolgt von der neuen Studiengangsleiterin Architektur Elisabeth Leitner, die die solide Basis der Architekturausbildung lobt, auf der sie weiter aufbauen kann. Sonja Hohengasser, langjährige Lehrende und Kollegin von Peter Nigst moderiert die Veranstaltung in der einige wichtige Bezugspersonen von Peter Nigst zu Worte kommen.

Zuerst spricht Friedrich Kurrent ein Wegbereiter der Architektur in Österreich, der einige Erinnerungen über die persönliche Beziehung zu Peter Nigst preisgibt und die entstandene Architekturschule in Spittal als eine der besten in Österreich bezeichnet. Dann Matthias Mulitzer, der damalige Meisterschüler, spätere Assistent an der Akademie der bildenden Künste bei Gustav Peichl in Wien, dort wo Peter Nigst 24 Jahre der Meisterschulleitung angehört und weit über 100 DiplomandInnen betreut. Mulitzer ist auch an der Fachhochschule in Spittal als Workshopleiter tätig gewesen und zeigt 2013 eine schöne Ausstellung seiner Arbeiten im Spittl, die besonders durch verschiedene Klosterplanungen einzigartig sind. Er ist mit einem Artikel in der Publikation vertreten.

Adolph Stiller (Architekt, Gastdozent an verschiedenen Universitäten, Publizist, Ausstellungskurator – Architektur im Ringturm) schreibt ebenso einen Artikel in der Publikation über die Anfänge des Architekturstudienganges in Spittal und die Besonderheiten der Lehre hier im Hause. Er unterrichtet über Jahre in Spittal Architektur und Ethik und ist immer wieder in die Wahlpflichtveranstaltung Architekturanschauung und –kritik im 3. Semester Master Architektur eingebunden.

Raffaela Lackner – eine Master-Absolventin des ersten Jahrganges der Architekturschule und seit 6 Jahren engagierte und überaus anerkannte Leiterin des Architekturhauses Kärnten (Klagenfurt-Napoleonstadel) und seit zwei Jahren des Steinhauses von Günther Domenig, betont die Wichtigkeit der Generation der jungen Architektinnen und Architekten, die aus der Architekturhochschule in Spittal kommend die Szene in Kärnten „aufmischen“.

Peter Nigst dankt vorerst für die große Unterstützung für die Durchführung der Ausstellung und die finanzielle Unterstützung der Publikation durch die Geschäftsführung und im besonderen Jürgen Wirnsberger für die inhaltliche und faktische Umsetzung der druckfertigen Gestaltung. Er stellt im Anschluss kurz die Publikation vor, die 35 Wiener Jahre und 15 Spittaler Jahre unterscheidet, ein Werksverzeichnis der Wiener Jahre enthält und ein Faltblatt aller Ausstellungs- und Vortragsaktivitäten des Architekturstudienganges der FH, sowie der Publikationen der Architekturreihe, des ausdrucks und des ausdrucks-texte enthält. Diese grobe Gliederung zwischen Wiener Jahren und Spittaler Jahren liegt auch der Ausstellung zu Grunde. Hier werden aus den Wiener Jahren nur exemplarisch einige der wichtigsten Projekte samt Modellen gezeigt, die Lehre an der FH findet Ausdruck in Modellen (Diplome, Bachelorarbeiten, sowie Analysemodelle) mit jeweils gebundenen Arbeiten als Erklärung. Eine Vortrags und Ausstellungsübersicht  anhand der Einladungen und Buchcovers…gibt einen eindrücklichen Überblick. Die viel in Österreich „gewanderte“ Ausstellung „Architektur und Passivhaus in Österreich“ ist einer verkleinerten Version ausgestellt, ebenso wie Skizzen, die durch Peter Nigst wie immer während seiner Korrekturen zu den hochbauorientierten Projektentwürfen im 2.ten Studienjahr des Bachelorstudiums entstehen.

Die Ausstellung ist aber in erster Linie als exemplarische Ergänzung zu der gleichnamigen Publikation gedacht. Sie wird noch durch 32 Videofilme ergänzt, die auf insgesamt vier Monitoren laufen.

Den Abschluss der Eröffnungsveranstaltung bildet ein sehr persönlicher Text von Roland Winkler zu Peter Nigst (ebenfalls als Beitrag in der Publikation abgedruckt), den er vorträgt – nachstehend ein kurzer Auszug daraus:

„NIGST IN SPITTAL AN DER DRAU"

Eremitage.
Von Wien weg.
Aus der Hauptstadt.
Nach Oberkärnten.
Spittal an der Drau.
Die Drau fließt in die Donau.
Wien liegt an der Donau.
Den Fluss aufwärts. Zu Ursprüngen?
Ein Rückzug?
Ein Anliegen.
Wer als Student nach Spittal ging, entschied sich für das Nützliche. Das Naheliegende. Das Vernünftige. Das Bodenständige. Nicht aus der Welt. Hiesig. Verwurzelt.
Ziele nicht in Kunst und Kultur sondern in Effizienz und Praxis.
Statt Ehrgeiz Bescheidenheit.
Deshalb FACHhochSCHULE.
Dort treffen sie auf Nigst.
Der kam aus anderen Gründen hierher.
Trotzdem oder deshalb - wer weiß.
Vielleicht, weil hier keine offenen Türen einzurennen sind - zu simpel - zu wenig Ertrag.
Hier kann mehr bewirkt werden, auf unverwüstetem Boden.
Der fehlende Anspruch an Kunst als Voraussetzung für Unbedarftheit, Unverfälschtheit. Gebirgsbachmäßig.
Deshalb den Fluss aufwärts?
„Auf der Ebene der Ideen sind wir alle gleich“ gab Raimund Abraham - aus der großen Welt - seinen Studenten - aus der kleinen - als erstes mit.
Motivation, die für ein ganzes Studium reichte.
Also brachte Peter Nigst die Welt in die Eremitage. Und die Studenten waren plötzlich auf einer Ebene mit der Welt - wo auch immer die ist.
Die Studenten, die vernünftig sein wollten, bescheiden, schnell ans Ziel kommend, in den Beruf. Den Fach-Beruf.
Jetzt hatten sie es mit der Welt zu tun. Und mit Nigst.
Der ist zwar auch vernünftig und bescheiden, aber anders.
Oft stellt sich Vernunft jenseits der Nützlichkeit ein, oft Bescheidenheit jenseits von Sparsamkeit. Und meist ist man mit Schnelligkeit zwar gleich an Zielen, aber oft an wertlosen.
So prallt Bodenständigkeit auf Intellektualität in einer Radikalität, die in Wien nicht möglich wäre.
Flussaufwärts.

Mit dieser Lesung endet der kurze Teil der Eröffnungsveranstaltung – es wird bei exzellentem Buffet noch lange diskutiert und gefeiert. Parallel läuft eine Projektion von fast 30 Statements von Personen, die mit Peter Nigst in regem Kontakt stehen, in der Architektur oder in öffentlichen Funktionen.

Ausstellungsdauer vom 25. Oktober bis 15. November 2017 | Mo - Fr 8:00 - 19:00 Uhr

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