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Fachhochschule Kärnten
Studienbereich Soziales

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Westsahara-Soziale Strukturen einer Langzeiflüchtlingsgesellschaft

Die Flüchtlingslager der Saharauis

Menschen in der Wüste Motivation: Am Studienbereich Soziales gibt es seit einigen Jahren einen Afrika-Schwerpunkt und im Bachelorstudiengang ein Wahlpflichtfach mit der Titel „Internationalität/Interkulturalität“.

Im Zuge eines Studienprojektes wurde die Thematik der Saharauis und deren Situation in den Langzeitflüchtlingslagern (34 Jahre) in der algerischen Steinwüste bearbeitet. Im Zuge dessen fand eine Reise im April 2009 in die Lager statt, und in zahlreichen Interviews wurde der Fragenkomplex behandelt, wie die saharauische Gesellschaft, die sich erst in der Flüchtlingsexistenz strukturierte, diese jahrzehntelange Ausnahmesituation plus der Kriegs- und Flüchtlingstraumata eines Großteils ihrer Mitglieder verarbeitet.

Hypothesen: Die wesentlichen Faktoren für die Stabilität der sozialen Strukturen in den Flüchtlingslagern sind:

  • Die defacto Selbstverwaltung sowohl gegenüber den UNO-Hilfsmaßnahmen als auch gegenüber Algerien und die damit verbundene Selbstaktivierung vom Zeitpunkt der Fluchtbewegung an
  • Die Strukturierung der Lager (insgesamt ca. 200 000 BewohnerInnen) nach Wohnblöcken, Straßen, Vierteln etc. und die Organisation der BewohnerInnen nach dem Prinzip direkter Vertretung (und nicht repräsentativer Wahlen)
  • Die hohe Internationalisierung der Kinder und Jugendlichen beiderlei Geschlechts (Sekundär- und Tertiärausbildungen, Ferienprogramme in EU-Staaten)
  • Die höchste Alphabetisierungsrate in ganz Afrika
  • Der hohe Frauenanteil in den Lagern (80%)
  • Die Schaffung einer nationales Identität über die gemeinsame Geschichte der Besatzung, der Vertreibung und des Widerstands Diskussion und Schlussfolgerungen: Die saharauische Gesellschaft in den Flüchtlingslagern weist eine signifikante Stabilität auf, die sie eigentlich bei den Rahmenbedingungen und Perspektiven nicht haben dürfte. Soziologische und sozialpsychologische Theorien würden hohes Aggressionspotential, massiven individuellen Rückzug und Apathie nahelegen.

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